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Fund der Woche 3-2012

18. Januar 2012

Autor: Mirko Strauchmann

Allgemein
Fund der Woche
Markenwahrnehmung

“Nokia – so ein verdammter Scheissladen” teilt die Überschrift, die meine Aufmerksamkeit geweckt hat, der Internetwelt mit. Dass der User “josefYY” zu diesem Schluss kommt, spricht die Überschrift auch aus: er hat Probleme mit der Herstellersoftware. Das eigentlich interessante an diesem Forumsthread auf 3D-Center ist jedoch etwas Anderes: Aus Sicht des Reputation Controllers ist er eine Wundertüte.

“josefYY” erzählte dem Forum am 14. Januar, dass er mit Nokia-Produkten “immer recht zufrieden” war und demnächst ein neues Mobiltelefon kaufen werde. Möglicherweise dieses Mal kein Nokia. Die Herstellersoftware Nokia-Suite hat auf seinem PC nämlich Dateien eines bestimmten Typs automatisch mit eben diesem Programm verknüpft. Daher also die überbordende Wut. In der Folge trifft er damit bei den anderen Foristen allerdings auf Unverständnis bis Spott. Da wird Herstellersoftware generell abgelehnt. Da wird sich darüber amüsiert oder geärgert, dass er aus einer Mücke einen Elefanten mache. Schließlich sei das Problem ja schnell und einfach rückgängig zu machen.

Bereits die erste Antwort öffnet die Wundertüte: Da heißt es nämlich von “Impia”: “Selbst Schuld wenn man ein Handy von dieser Heuschrecke kauft.” Im deutschen Kontext liegt der Verdacht nahe, dass damit auf die Schließung des Bochumer Nokia-Werks 2008 angespielt wird. Diese Angelegenheit wuchs sich damals in Deutschland zu einem echten Imagedesaster für den Konzern aus, selbst von Boykott der Marke war häufiger die Rede. Unternehmensethik aka Corporate Social Responsability (CSR) interessiert allerdings nicht jeden. So antwortet “Franconian”: “Und wenn sie Handyhüllen aus Seerobbenbabys machen, solange das Produkt gut ist…” Um fortzufahren, dass weder das eine noch das andere der Fall sei. Letzteres zumindest nicht mehr.

Diese Diskussion nimmt zwar nur einen kleinen Teil des Threads ein, soll aber dennoch nicht unterschätzt werden. Denn hier zeigt sich, dass als unethisch empfundene Unternehmensentscheidungen einen langen Nachhall haben können. Und wenn zu einer solchen Entscheidung noch weitere hinzukommen, kann ein Unternehmen durch die Vernachlässigung der CSR nicht nur seinem Ruf sondern auch seinen Umsätzen schaden.

Es dauert aber nicht lange, bis die Wundertüte eine ganz andere Grundsatzfrage in die Freiheit entlässt: Ist es okay, wenn ein Programm ungefragt Dateitypen “an sich reißt”? Das stößt nämlich auch mehrfach auf Widerwillen. Sicher, es ist verständlich, dass ein Softwarehersteller es gerne sieht, dass sein Programm genutzt wird. Das wird auch überhaupt nicht kritisiert – wenn denn der User zumindest gefragt wird. Indes zeigt sich eines immer wieder: Menschen reagieren allergisch darauf, wenn sie sich bevormundet fühlen. Darin liegt die Herausforderung nicht nur für Softwarehersteller: es durchzusetzen, dass das eigene Produkt genutzt wird. Aber dabei nicht auf Maßnahmen zu verfallen, die beim Kunden Widerwillen erregen. Und das funktioniert am besten durch Qualität bei Produkt wie Service.

Doch zurück zum Ausgangspunkt. Eine weitere Feststellung, die in dem Thread getroffen wird ist diese: “Mir ging es bei meiner Antwort in erster Linie um die Art und Weise Deines Ausgangsposts.” sagt der Moderator “Metalmaniac”. Sich so provokant auszudrücken ziehe nur Streitereien nach sich. Und die sind schlicht unnötig und unerwünscht. Oder anders ausgedrückt: “Der Ton macht die Musik.” Auch diese alte Weisheit hält die Wundertüte parat.

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Mirko Strauchmann Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann, M.A., ist studierter Germanist, Historiker und Archäologe. Bevor er bei New Communication einstieg, sammelte er erste Erfahrungen in Lektorat und PR. Im Online Reputation Management führt er vor allem semantische Analysen und eine soziodemografische Einordnung der Schreiber der untersuchten Texte durch.
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