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Fund der Woche 42-2011

21. Oktober 2011

Autor: Mirko Strauchmann

Allgemein
Fund der Woche

Ich hatte eigentlich überhaupt nicht vor, meine kleine Serie über die Sprache, die mir alltäglich bei meiner Arbeit als Reputation Controller begegnet, so bald schon fortzusetzen. Was ich jedoch jüngst gefunden habe, lässt mir kaum eine andere Wahl: Im Forum parents.at stieß ich auf einen Thread, der sich eigens dem Phänomen falsch gebrauchter Wörter widmet.

Der User “how.ever” eröffnete diesen Thread am 12. Oktober, bis heute ist er auf elf Seiten angewachsen. Es gibt also reichlich Fundmaterial. Drei Regeln der Fehlschreibung hat “how.ever” ausgemacht:

  1. Fehler bei der Wortbildung (z.B. “Eima” als dialektal-gesprochene Variante von “Eimer” und die falsche Analogie “Firmer” statt “Firma”)
  2. Ethymologische Fehler (falsche Herleitung des Wortes, z.B. “Spätsünder” statt “Spätzünder” oder “vernarrtisch” statt “fanatisch”)
  3. Neologismen, da der Wortursprung nicht erkannt wurde (z.B. “murzmäßig” statt “mordsmäßig”)
  4. Außerdem ist der (Falsch-)Schreiber von der Richtigkeit seiner Variante überzeugt. Dies ist jedoch keine Regel, sondern Voraussetzung für die Aufnahme, da einfache Vertipper auf diese Weise ausgeschlossen werden.

Das ist sehr systematisch gedacht und deckt sich mit meinen Beobachtungen. Insgesamt 212 Antworten auf diesen Beitrag zeigen zweierlei: Einmal, dass sich viele Foristen über solche sprachlichen Irrtümer amüsieren. Und außerdem, dass es davon eine ganze Menge gibt. Es wäre sinnlos, an dieser Ställe mit Zitaten aus dem Forum aufzufahren. Es sind einfach viel zu viele gute Beispiele. Wer ein wenig Zeit hat und sich amüsieren möchte, der lese sich einfach den Threat durch. (Aber bitte nicht den Antoniuskörper zu sehr schütteln vor lachen!)

Bemerkenswert an der Diskussion ist die Fährnis der User. Es wird niemand an den Pranger gestellt, man äußert sich kaum effektiert, lediglich die Beispiele (und einige davon haben es faustig hinter den Ohren) werden anonymisiert genannt. Man lacht über die Fehler, nicht über die Menschen. Das hatte ich nicht erwartet, denn nicht selten stelle ich in Foren fest, dass einzelne User ziemlich auf einander einhacken. (Übrigens ein sehr verbreiteter Fehler der zweiten Kategorie: “Hacken” statt “Haken”) Es lässt aber eine gewisse Kultuhr (und ein gewisses Niveau) vermuten, die im jeweiligen Forum herrscht. Was wiederum Rückschlüsse auf die dort Aktiven produziert.

Denn bei der Wortbildung gilt vergleichbar zur Orthografie: je mehr Fehler, desto niedriger das vermutete Bildungsniveau. Lassen sich viele einfache Rechtschreibfehler noch durch einen einfachen Check, was man da geschrieben hat, wieder ausbügeln und ad achter legen, sieht es hier anders aus. Denn wenn man überzeugt ist, dass man ein Wort korrekt getippt hat, dann nutzt auch doppelt und dreifaches Durchlesen nichts. Insofern (“von daher”) haben wir es mit einer äußerst unglücklichen Situation zu tun: Man schattet seiner Reputation und kann noch nicht mal etwas dafür.

Aus diesem Grund kann ich als Fahrzit auch keinen Rat geben, wie man es vermeiden kann, sich zum (mal heimlichen, mal offenen) Gespött der Leute zu machen. Die einzige Möglichkeit ist: Aufmerksam lesen, und wenn man merkt, dass andere ein bestimmtes Wort steht’s anders schreiben als man selbst… nach denken, hinter fragen. Und vielleicht mal nach schlagen.

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Mirko Strauchmann Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann, M.A., ist studierter Germanist, Historiker und Archäologe. Bevor er bei New Communication einstieg, sammelte er erste Erfahrungen in Lektorat und PR. Im Online Reputation Management führt er vor allem semantische Analysen und eine soziodemografische Einordnung der Schreiber der untersuchten Texte durch.
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