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Fund der Woche 39-2011

30. September 2011

Autor: Mirko Strauchmann

Allgemein
Fund der Woche

Heute möchte ich erneut eine Unternehmenswebsite vorstellen. Ich bekam kürzlich eine Message mit dem dazugehörigen Link von meinem Kollegen Lutz Lungershausen, der mich auf die dort vorhandene “Mirko[!]welle” aufmerksam machen wollte. Derartige Steilvorlagen nehme ich natürlich gerne an und musste feststellen, dass die Zubereitungsanleitung für den Fertigmilchreis von “reis fit” noch einiges mehr an kreativem Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik bereithält.

Es ist nun nicht besonders spektakulär oder aufsehenserregend, dass mal ein Buchstabendreher vorkommt, der sich dann auch noch unbemerkt durch eine Korrekturfahne schleicht. Nicht schön zwar, aber auch nicht dramatisch, insbesondere wenn er sich so gut versteckt. Warum also stelle ich diese Seite überhaupt vor? Ich habe es bereits angedeutet: Da gibt’s noch mehr! Und das hier ist auch etwas Anderes als die aus Foren bestens bekannten üblichen Verdächtigen: der “Standart” z.B. (klar, die Dinger kleben ja standardmäßig an Staatskarossen) oder das ebenfalls sehr beliebte “entgültig”, das schließlich von der Ente abgeleitet wird, nicht vom Ende. Nun gut, dank Auslautverhärtung sind diese Fehler immerhin nachvollziehbar. Und da ich gerade an einem “regulären” Blogartikel arbeite, wollte ich dieses Schätzchen als kleinen Appetitanreger vorab servieren.

Ich muss gestehen, die Mirkowelle ist mir anfangs überhaupt nicht aufgefallen, wahrscheinlich habe ich meinen Namen häufig genug gelesen, um mir nichts dabei zu denken. Dafür fiel mir gleich die Anglifizierung (?) des ersten Schritts der Zubereitung auf. “Shritt”, das kannte ich noch nicht, spricht man das auch mit velarisiertem “r”? Im ersten “Shritt” heißt die Mirkowelle übrigens Mikrowelle. Auch Schritt 2 (diesmal mit Zäpfchen- oder alternativ auch einem gerolltem “r”) weiß nicht ganz zu überzeugen: Der Reis in der Packung solle geknetet werden, “damit sich die Reiskörner laufgelockert sind.” Müßig zu erwähnen, dass auch Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung nicht unfallfrei über die Bühne gehen.

Aber ich möchte überhaupt nicht weiter darauf herumreiten. Worauf es mir ankommt: Auf einer Unternehmenswebsite erwarte ich (und sicher nicht nur ich) einwandfreie Rechtschreibung und Grammatik. Das ist auch ein Anzeichen für Kompetenz und Sorgfalt. Bei dieser Seite fragte ich mich ernsthaft, ob sie überhaupt offiziell sei. Denn reis-fit ist nicht ganz unbekannt und da ist es schon zu erwarten, dass Texte vor ihrer Veröffentlichung in irgendeiner Form ein Lektorat durchlaufen. Die Seite selbst scheint schon ein wenig älter zu sein, jedenfalls habe ich auf der Facebook-Seite von reis-fit keinen Bezug dazu gefunden.

Womit ich auch schon zum zweiten Teil dieses Blogposts komme: dem Social-Media-Engagement. Die Facebook-Seite ist neben der Anleitung verlinkt. Aber auch hier glänzt das Unternehmen nicht durch Abwesenheit von Schreibfehlern, gleich als erstes finde ich: “Stellen [!] euch einmal vor, ihr seit [!] in einem Schloss…” Nun gut, das ist auf Facebook zwar immer noch nicht schön aber weniger schlimm. 1049 Fans hat sie Seite, und die sind gut eingebunden: Rätsel, Gewinnspielchen, Unterhaltung. Antworten und Reaktionen von Unternehmensseite, alles sehr sympathisch. Auch die Frequenz ist mit mindestens einer Statusmeldung pro Tag so, dass man kontinuierlich wahrgenommen wird, aber niemandem auf die Nerven fällt. Ein sehr gelungenes Facebook-Engagement also.

Abschließend möchte ich nur noch einen Rat aussprechen: Vor dem Posten bzw. Onlinestellen noch einmal kurz durchlesen, was man da gerade geschrieben hat. So lassen sich die meisten Fehler vermeiden. Und das Ganze wirkt kompetenter, sorgfältiger. Was sich wiederum positiv auf die Reputation auswirkt.

Ihr Kommentar

Kommentare

04.10.2011

Lutz Lungershausen

Was mir noch aufgefallen ist: Die Anführungszeichen zB. wie bei ‘einfach lecker’ sind ebenfalls falsch, und das sogar in dreifacher Hinsicht. 1. im Deutschen steht das anführende Zeichen unten, das schließende oben, 2. einfache Zeichen nur innerhalb wörtlicher Rede (‚abc‘) 3. es sind keine Sekunden-, Minuten- oder Zoll-Zeichen (‘ “) sondern eigene „Anführungszeichen“ (die aussehen wie 99 und 66).

10.10.2011

Von Kompetenz und Sorgfalt. Oder: wi cih meine reputation verspiel « Reputation Management Blog

[...] z. B. Produkt-Websites mit Kraut-und-Rüben-Rechtschreibung online gestellt werden. Die famose „Mirkowelle“ habe ich ja bereits vorgestellt. Auch das Blog „Das365TageExperiment“ bestätigt: „Die [...]

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Autor

Mirko Strauchmann Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann, M.A., ist studierter Germanist, Historiker und Archäologe. Bevor er bei New Communication einstieg, sammelte er erste Erfahrungen in Lektorat und PR. Im Online Reputation Management führt er vor allem semantische Analysen und eine soziodemografische Einordnung der Schreiber der untersuchten Texte durch.
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