Ein Phänomen, dass Vielen vor allem durch die Auktionsplattform ebay bekannt sein dürfte, ist der Gegenstand des aktuellen Fundes der Woche: die Rachebewertung. Ein möglicher Kandidat dafür ist heute vom User kiffer4466 auf Ciao eingestellt worden.
Manch ein Käufer oder Verkäufer auf ebay erlebte schon eine böse Überraschung. Sei es dass der Versand eines gekauften Artikels ewig gedauert hat oder das Teil nicht seiner Beschreibung entsprach, sei es, dass der Käufer sich wochenlang mit der Bezahlung Zeit gelassen hat etc. Hat man dies dann in der Bewertung der Transaktion den Anfang gemacht und die Missstände auch bei ihrem Namen genannt, dann lief man stets Gefahr, von seinem Gegenpart einen reingewürgt zu bekommen, obgleich man selbst sich vollkommen korrekt verhalten hatte. Irgendwann konnte auch die Auktionsplattform die Augen nicht mehr vor der Unsitte der Rachebewertungen verschließen und ging gegen diese digitale Form der Rufschädigung vor.
Was “kiffer4466″ über das DSLR-Forum, eine Fotocommunity, zu berichten weiß, stimmt zumindest nachdenklich. Hauptbeschwerdepunkt sind die dortigen Moderatoren, die seiner Ansicht nach selbstherrlich und willkürlich über die User, oder genauer: einen Teil der Community herrschen. Er sagt sogar:”Trolls sind User, die andere User gezielt provozieren und daran ihre Freude haben. Diese User sind im DSLR-Forum zahlreich vertreten. Was aber noch viel schlimmer ist, dass die meisten von diesen sogar Moderatoren sind.” Moderatoren als Trolls? Das ist ein starkes Stück! Seine Begründung sieht aus wie folgt: “Ich habe den Moderator und einige “Trolls” darauf hingewiesen, dass diese doch bitte nicht meine Bilder bewerten sollten. Diese Nutzer hatten selber nur Schnappschüsse bzw. wirklich schlechte Fotos hochgeladen und meinten meine Bilder, vermutlich aus Neid, schlecht bewerten zu müssen. Um denen ihr Verhalten klar zu machen, nachdem sie mit den Bewertungen nicht aufgehört haben, habe ich auch Bilder dieser Nutzer schlecht bewertet. Prompt bekam ich Verwarnungen, weil ich erstens immer Kritiken über mich ergehen lassen sollt, auch wenn ich diese nicht will und zweitens, sollte ich keine Nutzer oder Moderatoren ‘stalken’.”
Das klingt nun stark nach Rachebewertung aus verletzter Eitelkeit. Er führt noch weitere Punkte an, auf die ich hier nicht weiter eingehe, da sie das Bild nicht verändern, lediglich sachlicher klingen. Nachzulesen sind sie hier. Nun aber zu seiner Verteidigung: der Beschwerdeführer sagt aus, er habe sich dann genauer informiert: “Dieses Vorgehen ist, wie einem nach einer kurzen Googlerecherche schell auffällt, bei weitem kein Einzelfall.” Und auch auf Ciao fällt die Bilanz für das DSLR-Forum fragwürdig aus: Zwei weitere User erheben ähnliche Beschuldigungen. Das kann auch durch eine positive Bewertung nicht wettgemacht werden (insgesamt existieren dort vier Testberichte). Und auch diese beklagt “gelegentliche Zoffs”. Vieles spricht also für ein tatsächliches Versagen der Forumsmoderatoren. Denn den Berichten nach zeigt sich ziemlich schnell ein Hauptkonfliktpunkt: Freizeit- und Hobbyfotografen mit Laienstatus gegen ambitionierte Amateur- und Profifotografen, die sich gegenseitig Arroganz etc. vorwerfen. Und genau das ist der Punkt, an dem Moderatoren kompetent agieren müssen, wenn ein Forum nicht zum Austragungsort von Schlachten werden soll.
Es scheint mir, als vermischen sich hier zwei Punkte. Zum Einen die Rache nach einer Kränkung. Zum anderen die berechtigte Beschwerde über Missstände. Bleibt noch das drastische Fazit des vorgestellten Erfahrungsberichts: “Für mich ist das eine volle Inhalts- und auch Meinungskontrolle der Boardbetreiber und wenn man deren Verhalten mit Staaten vergleichen würde, dann würden mir schnell Länder wie die DDR, China oder Libyen einfallen. Und man wird sehr schnell mit der Höchststrafe belegt, man wird mondtot gemacht.” Und natürlich der Relevanzindex auf der zweithöchsten Alarmstufe mit einem Wert von 6,8.
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