Reputation Blogger

Seiteninhalt

Friseurgespräche vs. Zeitschriften – Die Macht von Foren und Blogs

11. März 2011

Autor: Anja Scharfenberg

Allgemein
Wie man es nicht macht

In letzter Zeit gerieten Blogs immer öfter in die Kritik, da mehr und mehr Fälle bekannt wurden, in denen sich Blogger kaufen ließen oder zumindest Angebote erhalten haben. Sind also Foren die eigentlichen Meinungsmacher im Netz?

Sascha Pallenberg, professioneller Blogger und Betreiber der Seite Netbooks.de, fing kürzlich eine Diskussion an, aus der hervorgeht, dass die Firma Onlinekosten.de versuchte, Blogger zu kaufen. Aus einer Diskussion ist inzwischen eine ganze Schlammschlacht in der Blogger-Szene geworden, die als „Bloggergate“ wie die Sau durchs digitale Dorf getrieben wird.

Die Betreiber von kleinen, privaten Blogs wurden von Onlinekosten.de angesprochen, um Backlinks einzukaufen. Zu dem Angebot gab es gleich eine Verschwiegenheitsklausel dazu, die es untersagt, dieses Vorgehen öffentlich zu machen. Im Falle von Missachtung dieser Klausel würden Vertragsstrafen in Höhe von über 5000 Euro fällig. Geködert wurden die Blogger mit einer Kooperation mit einem der bekanntesten Blogs in Deutschland: Basic Thinking. Klar, dass die meisten kleinen Blogger da hellhörig wurden und mitmachen wollten. Der Betreiber von Basic Thinking ist Onlinekosten.de, die wiederum offensichtlich ein Netzwerk für verkaufte Links aufbauen wollten.

Sascha Pallenberg durfte inzwischen einen ganzen Shitstorm aus der Netzwelt erleben. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, Onlinekosten.de gezielt angreifen zu wollen, da es sich in diesem Fall um einen Mitbewerber handele. Spiegel Online behauptete, dass Pallenberg ein eigenes Blog mit verschiedenen Kollegen zusammen plante, dass ähnlich positioniert werden soll wie BasicThinking.de

Warum aber eigentlich die ganze Aufregung über gekaufte Links? Es ist doch bekannt, dass es kommerzielle Blogs gibt, die sich über verschiedene Maßnahmen, wie Affiliate-Angebote, Google AdWords oder Spendendienste wie beispielsweise flattr finanzieren. Grundsätzlich ist das ja auch kein Problem. Was bei diesem Fall allerdings sauer aufstößt, ist die Geheimhaltung. Transparenz wird in der Social Media-Welt als eine der wichtigsten Eigenschaften immer wieder genannt. Jedoch verbietet eine Verschwiegenheitsklausel genau diese.

Werbliche Links in einem normalen, redaktionellen Beitrag einzubauen ohne sie als solche zu kennzeichnen ist Betrug am Leser. Google bestraft das Einkaufen von Links mit unterschiedlichen Methoden: von Warnungen bis hin zum Verlust von zahlreichen Google-Positionen. In Amerika ist ein solches Verhalten von Bloggern sogar rechtswidrig. Manchmal ist vielleicht doch der langsamere, transparentere Weg der, der zu mehr führt. Die Leser werden es einem wahrscheinlich danken.

Während die Reputation von Blogs immer schlechter wird, sind Foren gerade in Deutschland eine mächtige Plattform für Meinungsmacher.  In tausenden Spezialforen tauschen sich Menschen zu allen Themen aus. Ob es sich nun um Eltern und Familie, Versicherungen und Krankenkassen oder Autos handelt. Jeder findet unter den Foren seine eigene Plattform, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Selbst so kuriose Foren wie www.noppentest.de oder www.ameisenforum.de finden in der Netzgemeinde ihren Platz und führen Menschen mit gleichen Themen zusammen.
Sicherlich lässt sich hier auch nicht ausschließen, dass einige Beiträge „gekauft“ sind. Allerdings ist die Zahl an Beiträgen und Nutzern höher, so dass gekaufte Beiträge ein niedrigeres Gewicht haben.

Viele Agenturen behaupten, dass ein Blog-Monitoring sehr wichtig ist und schenken diesem daher besonderes Aufmerksamkeit. Der Grund hierfür liegt wahrscheinlich darin, dass ein Blog-Monitoring durch Feed-Standards technischer weniger aufwendig ist. Sucht man in der realen Welt nach Pendants zu Blogs und Foren, sind Foren die Gespräche im Frisörsalon und Blogs die Magazine, die dort ausliegen. Und sind nicht gerade die informellen und persönlichen Gespräche die deutlich wichtigeren und aufschlussreicheren?

Ihr Kommentar

Blog abonnieren

Autor

Anja Scharfenberg Anja Scharfenberg
Anja Scharfenberg beschäftigt sich seit Jahren mit Markenkommunikation - online wie offline. Die Diplomkauffrau untersuchte den Einfluss des Kaufentscheidungsrahmens auf das Online-Kundenverhalten und war für eine große deutsche Automobilmarke tätig, bevor sie zu New Communication wechselte. Bei Reputation Control begleitet Anja Scharfenberg Web-Monitoring-Projekte und führt Studien zur Kundenzufriedenheit auf Basis von Bewertungen im Internet durch.
Per E-Mail Kontakt aufnehmen