Die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg werden insbesondere im Web kontrovers diskutiert. Gerade die Facebook-Nutzer teilen sich in zwei Lager: Seiten wie „Für die Jagd auf Karl Theodor zu Guttenberg“, „Guttenberg muss gehn.“ und „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ werden gegründet, auf denen nun fleißig und leidenschaftlich diskutiert wird. Glaubwürdigkeit und Transparenz könnten hier durch Guttenberg oder seine Referenten und Pressesprecher gelebt werden, stattdessen entwickelt sich dort ein unmoderierter und unkontrollierter Shitstorm.
Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit im Umgang mit Zitaten geschlampt – absichtlich oder unabsichtlich, das versuchen gerade viele Leute herauszufinden. Seit gestern Abend steht fest, die Uni Bayreuth erkennt den Doktortitel ab. Durch diese ganze Affäre ist die Reputation des Ministers angekratzt. Galt Guttenberg doch bisher als souverän im Umgang mit der Presse, glänzt er dieser Tage eher durch Zurückhaltung und Stillschweigen; auch im Social Web.
Auf seiner eigenen Facebook Seite findet man lediglich die offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen. Direkt nach dieser Veröffentlichung am 18.02.2011 kamen die ersten Kommentare, bis heute sind es über 6.500 geworden, Tendenz steigend. 103.757 Facebook-Nutzer gefällt die Seite von Guttenberg. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil im Vergleich zu den Fans der Seite „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“. Hier bekunden öffentlich 282.746 Personen, dass sie die momentane Hetzjagd gegen den Bundesminister ablehnen. Zusätzlich haben sich noch weitere Seiten auf Facebook gegründet, die sich für „die Jagd“ aussprechen und einen Rücktritt fordern. Auf keiner der Seiten scheint es, als ob Guttenberg oder einer seiner Sprecher sich zu den Kommentaren der Nutzer äußert.
Galt Guttenberg bislang als „Minister Makellos“, kratzt diese Affäre heftig an seinem Image. Bisher wurden ihm Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Offenheit und Glaubwürdigkeit nachgesagt. Genau diese Eigenschaften zeigen sich aber nicht in seinen Äußerungen. Gleichzeitig bezeichnet er die Vorwürfe als abstrus, während er dann doch Fehler zugibt. Das sorgt nicht gerade für Vertrauen bei den Menschen.
Guttenberg muss um seine Glaubwürdigkeit kämpfen. Und gerade das Social Web bietet eine gute Plattform hierfür. Genug Fans der verschiedenen Seiten gibt es, die Interesse und eine Meinung sowohl an der Person zu Guttenbergs als auch an den Plagiatsvorwürfen haben. Aber sowohl Unterstützer als auch Gegner bleiben scheinbar unerhört. Ein Shitstorm entlädt sich direkt auf seiner eigenen Seite, indem sowohl Guttenberg angegriffen wird, als auch Nutzer untereinander diskutieren und sich beleidigen. Die Plattform Facebook bleibt in der Krisenkommunikation also gänzlich ungenutzt. Schade eigentlich, denn genau hier könnte ein volksnaher Politiker an der richtigen Stelle ansetzen und Werte wie Glaubwürdigkeit und Authentizität leben.
27.02.2011
30.03.2011
Netbreeze Blog » Guttenberg und die Social Media
[...] den Social Media. Eine gute Zusammenstellung der Diskussionen auf Facebook zeigt beispielsweise der Artikel von Anja Scharfenberg, der aufzeigt, dass auf Facebook sowohl Gegner als auch Fans diskutieren und einen regelrechten [...]
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gret
Der Fall von Guttenberg zeigt wieder einmal, um was es in einer
hypersozialen Welt von höheren Primaten wirklich geht: nicht um Wissenschaft oder Bücher, sondern um Führung, Führung,
Führung, Führer (“Machiavellische hypersoziale Intelligenz”).
Guttenberg als geborener “Führer” hat ein perfektes
hypersoziales Hirn — was “das geBILDete Volk” ja auch spürt.
Wissenschaft ist letztlich eh nur blosse Technik — der
Rest ist Rhetorik (siehe Giambattista Vico, 1710).
Gaddafis Sturz zeigt auch wieder einmal, dass alle Bücher letztlich
nie funktionieren können (Gaddafis grünes Buch, Guttenbergs Buch, etc.) — bis auf Facebook und Fuckbook, natürlich.
Darum hat Guttenberg recht.
Und: nach 2 Jahren ist in der Wissenschaft eh schon alles verjährt (und die Gedächtnisse
von heute sind SEHR kurz).
Leider gibt es ja immer noch keine “Gesellschaft” und Zivilisation OHNE Politiker,
Juristen, Hausärzte, (etc.)…
Übrigens (auch an Oliver Lepsius): Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Affe vor der Tastatur per Zufall gerade einen Text von Shakespeare eintippt, ist ja auch grösser als Null… (p > 0).
Allein schon aus diesem Grund wird Guttenberg (als hypersozial perfekter höherer
Primat) juristisch freigesprochen werden müssen (denn per Zufall hat er gerade unbewusst plagiiert, p > 0) — selbst dann, wenn er den “Dr.”-Titel aus hypersozialen Gründen
einfach nur als Sprungbrett hypersozialerweise gebraucht (“missbraucht”) hat…