Vor einer Woche guckte die ganze Welt nach Palo Alto in Kalifornien, wo Mark Zuckerberg das neueste Feature für Facebook präsentierte: Facebook Places. Bisher nur in den USA eingeführt, wird der Dienst zukünftig auch in anderen Teilen der Welt verfügbar sein. Und damit haben 500 Millionen Nutzer des Netzwerkes die Möglichkeit in lokalen Geschäften und beliebigen Orten „einzuchecken“.
Vor einiger Zeit war „Check-In“ nur in den Köpfen der Early Adopters, die schon frühzeitig Location Based Services (LBS) wie Gowalla, foursquare oder das deutsche Pendant friendticker entdeckt haben. Alle Dienste folgen demselben Prinzip: Die Nutzer können über ihr Handy an Orten, an denen sie sich befinden, „einchecken“. Der aktuelle Aufenthaltsort wird dann in diesen so genannten Geosocial Networks veröffentlicht. Auch die Verknüpfung mit den „klassischen“ sozialen Netzwerken funktioniert. Als Statusmeldungen erfahren Freunde beispielsweise bei Facebook, wo man sich gerade befindet.
Checkt man als Places-Nutzer an einem Ort ein, erscheint diese Information als Statusmeldung in der Timeline und ist damit für alle Freunde sichtbar. Aber auch auf der Places-Seite des Ortes erscheinen die Check-Ins. Zusätzlich hat man die Möglichkeit, Freunde wie auf Fotos zu taggen, wenn diese in der Nähe sind und nicht selbst eingecheckt haben. So weiß jeder wo man ist und mit wem man gerade unterwegs ist. Sollte sich die Nutzung des Dienstes verbreitet haben, wird es nicht mehr passieren, dass man auf demselben Konzert oder derselben Party wie ein Freund war und man nichts voneinander wusste.
Locations können vorerst nur vor Ort angelegt werden. Für Unternehmen, die viele Filialen haben, ist das Anlegen jedes einzelnen Standorts mit einem gewissen Aufwand verbunden. Diese Arbeit kann man aber auch von den Fans selbst erledigen lassen: Wenn ein Places-Nutzer ein Café, Kino oder Geschäft als Location anlegt, kann das Unternehmen nach einer Verifizierung durch Facebook die Location für sich beanspruchen und auch mit der eigenen Facebook-Page verknüpfen. Zusätzlich zu den Funktionalitäten einer Facebook-Page findet man dann Informationen über die Anzahl der Check-Ins, wer eingecheckt hat und die gesamte Places-Pinnwand inklusive visueller Darstellung des Standorts mit Bing Maps.
Genau wie bei Facebook-Pages, Statusmeldungen und Links können Nutzer ihre Sympathie über den „Gefällt mir“-Button bekunden. Damit erscheinen alle Statusmeldungen des Unternehmens, die auf der Places-Page gepostet werden, auch auf der Timeline der Nutzer. Dies erlaubt ein genaues Targeting von beispielsweise Sonderangeboten oder Coupons. Zwar bieten auch schon Facebook-Pages diese Möglichkeit, aber Places erlaubt zusätzlich eine geographische Differenzierung.
Warum teilen Leute eigentlich ihren Aufenthaltsort mit Freunden? Marshall Kirkpatrick beschreibt in seinem Artikel Why We Check In: The Reasons People Use Location-Based Social Networks drei Gründe. Zum einen geht es um die Chance, sich spontan treffen zu können, aber auch um die Möglichkeit anderen Leuten zu folgen (und hier wird es eigentlich ein wenig gruselig…). Mike M. erzählt beispielweise, dass er Google Latitude nutzt, um zu wissen, wo sein Sohn sich aufhält. Es geht hier also um Beziehungen und um Serendipity, wie Kirkpatrick es ausdrückt.
Der zweite Grund ist der spielerische Hintergrund, den Location Based Services haben, wenn es darum geht, Punkte zu sammeln oder Mayor von bestimmten Locations zu werden. Die Herausforderung und Konkurrenzsituation mit anderen Nutzern führt häufig zur Entdeckung neuer Orte in eigentlich vertrauten Umgebungen.
Der dritte Grund hat einen eher persönlichen Hintergrund. Durch Check-Ins kann man beispielsweise am Ende einer Reise nachvollziehen wo man wann war. Einige Nutzer verbinden die Check-Ins sogar mit Karten, so dass hinterher komplette Routen visuell nachvollzogen werden können. Location Based Services dienen als lazy diary, aber auch um sein eigenes Image aufzupolieren. Alle Freunde sehen, wo man eincheckt. Und deswegen checkt man lieber in den hippen und coolen Locations ein, als beispielsweise beim Zahnarzt. Es hat also alles auch viel mit Selbstdarstellung zu tun. Wo du bist, ist was du bist.
Facebook Places deckt die Gründe eins und drei ab, die intrinsische Motivation einzuchecken wird also befriedigt. Allerdings ist noch nichts über eine Incentivierung der Nutzer bekannt. Unternehmen müssen den Nutzern einen Mehrwert bieten, den Service zu nutzen. Ein Facebook-Nutzer hat durchschnittlich 130 Freunde. Im besten Fall nehmen nach einem Check-In also 130 Leute mehr ein Geschäft oder ein Event wahr. Und das ist eine Chance, die Unternehmen nicht ungenutzt lassen sollten. Ein Nutzer teilt nicht nur der Welt mit, wo er gerade ist, sondern die Welt um ihn herum teilt auch, was gerade in der Umgebung Interessantes passiert.
Vor einiger Zeit waren Soziale Netzwerke noch der neueste Hype – jetzt sind es Geosocial Networks. Facebook verbindet als erstes Netzwerk beide Eigenschaften mit der Integration von Facebook Places. Zwar ist der Markt schon durch Gowalla, Foursquare & Co. besetzt, doch besitzt Facebook Places einen klaren Vorteil: 500.000.000 Nutzer, die Facebook schon seit Jahren als zentrale Kommunikationsplattform nutzen. Nachdem sich der Facebook „Gefällt mir“-Button durch die Open Graph API bereits im gesamten Netz verbreitet hat, schafft Facebook mit Places nun auch den Weg in die reale Welt.
Tags: Facebook, LBS, Location Based Services, Places, Social Media, Social Network, Social Networking, Soziale Netzwerke
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René Seyer
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