Stern.de hat letzte Woche stichprobenweise Hotelbewertungsportale getestet. Dabei wurden zwei unterschiedlich unglaubwürdige Berichte erfundener Gäste an tripadvisor, trivago, holidaycheck und hotelkritiken geschickt. Nur hotelkritiken und holidaycheck haben beide Fakes erkannt, während trivago wenigstens einen der zwei Texte monierte. Der Stern folgert daraus unter anderem, dass Portale am glaubwürdigsten sind, wenn sie nicht am getesteten Geschäft mitverdienen.
Der Schluss liegt ja auch nahe. Von den getesteten Seiten bietet nur hotelkritiken nicht die Möglichkeit, direkt in den besprochenen Hotels zu buchen. Diese Vermittlungsoption lassen sich die anderen Portale natürlich von den Hotels bezahlen. Nach meiner Erfahrung sind die Betreiber erfolgreicher Bewertungsportale jedoch gar nicht so kurzsichtig. Natürlich ist es für einen solchen Dienst wichtig, eindrucksvolle Zahlen von Hotels, Nutzern und Rezensionen vorweisen zu können, um sich von der Konkurrenz abzuheben (als ich das letzte Mal suchte, habe ich ca. 30 deutschsprachige Seiten für Hotelbewertungen gefunden).
Mittel- und langfristigen Erfolg haben mit dieser Dienstleistung allerdings nur Portale, auf deren Berichte man sich auch verlassen kann. Die Dienste müssen kein Hotel schön reden lassen – es gibt ja mehr als genug gute Unterkünfte. Mit der steigenden Vernetzung und den zunehmenden Möglichkeiten der Konsumenten, sich auszutauschen, halten sich Fakes ohnehin nicht lange. Ein Kunde, der ein gut besprochenes Hotel gebucht bzw. Produkt gekauft hat und dann von der Qualität enttäuscht wird, hält sich künftig nicht nur vom Anbieter fern, sondern auch von der Website, die ihn mit unzutreffenden Informationen versorgt hat.
Qualität und Verlässlichkeit der veröffentlichten Kundenmeinungen sind daher ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor für solche Dienste – für qype, yopi, dooyoo, ciao genauso wie für branchenspezifische Portale wie eben holidaycheck. Nicht umsonst implementieren die Betreiber mit großen Redaktionsteams einerseits und sozialer Kontrolle durch die Community andererseits wirkungsvolle Instrumente, um die Vertrauenswürdigkeit der Nutzermeinungen hoch zu halten. In der täglichen Zusammenarbeit mit Seitenbetreibern im Rahmen von Reputation Control erlebe ich bei den Verantwortlichen immer wieder das Bewusstsein einer Verpflichtung zur freien, aber eben auch fairen und sachlichen Meinungsäußerung.
Das bei der Stern-Stichprobe diese geschönten Meinungen durchrutschen konnten, scheint mir eher an den Mengenverhältnissen zu liegen, die der Artikel ja auch nennt. Schließlich ist der Bestand an Kundenmeinungen bei Tripadvisor mit 30 Millionen ungefähr 2000-mal größer als der von hotelkritiken. Holidaycheck hat sich meiner Meinung nach ein Sternchen verdient: Die zweitgrößte Datenbank im Test zeigt trotz der großen Zahl eingehender Bewertungen eine funktionierende Qualitätssicherung.
Insgesamt gibt es also gute Gründe, dem Meinungsbild auf großen Bewertungsportalen zu vertrauen. So kam auch die W3B-Studie zum Thema Kundenmeinungen zu dem Ergebnis, dass 41 Prozent der User Nutzermeinungen im Netz für glaubwürdiger halten als jede andere Informationsquelle und diese zur Reisevorbereitung gezielt heranziehen.
Die Lösung für Unternehmen kann es also nicht sein, undercover Lobhudeleien in eigener Sache zu initiieren. Das bringt auf Dauer nichts und schon gar nichts Gutes! Von den Imageschäden im Falle einer Aufdeckung wollen wir mal gar nicht sprechen, sondern uns nur kurz im stillen Gedenken an die Schlagzeilen erinnern, welche die Bahn im letzten Frühling mit einer solchen Aktion erntete. Die richtige Strategie für Unternehmen lautet: zuhören, Ideen umsetzen, Kunden begeistern, Leser anstecken! Die alten Unternehmertugenden, sie bleiben also gefragt.
27.01.2010
27.01.2010
Hans-Joachim Gras
Absolut! Der Stern hat nach eigenen Angaben “…zwei Hotels, eins an der Nordsee, eins auf Lanzarote, … bewertet. Die Bewertung des kanarischen Pauschalhotels war objektiv, fiel positiv aus, wies einen inhaltlichen Fehler auf. “Segelausflüge starten vom hoteleigenen Strand” steht in der Bewertung, das Hotel verfügt jedoch über keinen Strand. Auf der gesamten Insel gibt es keine Privatstrände. Die Bewertung des Hotels an der Nordsee war überzogen positiv und mit Phrasen aus dem Werbeprospekt gespickt.”
(siehe verlinkter Artikel auf Stern.de)
04.02.2010
Tweets die Reputation ist auch das wichtigste Kapital der Bewertungsportale « Reputation Management Blog erwähnt — Topsy.com
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Georg Ziegler, Karin Schmollgruber erwähnt. Karin Schmollgruber sagte: RT @georgziegler: Gerade von @NadjaWaldraff erhalten: Reputation der Bewertungsportale http://bit.ly/9uDSmo [...]
12.10.2010
Astroturfing: die Achillesferse des User Generated Content « Reputation Management Blog
[...] haben nur eine Chance ihre Existenzgrundlage zu wahren und ihre Besucher zu halten (vgl. Reputation ist auch das wichtigste Kapital der Bewertungsportale). Dies kann nur durch ein intensiviertes Qualitätsmanagement geschehen, da es das ureigenste [...]
16.12.2010
Dirk Maass
Das Hauptproblem ist die Validität der Bewertungen. Bei fast allen Bewertungsportalen kann auch mein Hund bewerten… Validität erreicht man nur durch Prüfung. Z. B. indem man sich die Buchungsbestätigung oder Rechnung vom Hotel oder Restaurant vorlegen lässt. Ist aufwändig, aber der einzig sichere Weg. Das B2B-Bewertungsportal Benchpark.com (http://www.benchpark.com) macht es vor und akzeptiert u. a. nur Mailadressen, aus denen das bewertende Unternehmen erkennbar ist – und fragt im Zweifelsfalle nach. Kommt keine befriedigende Antwort zu Anlass und Hintergrund der Bewertung, wird die Bewertung abgelehnt. Die Ablehnungsquoten werden regelmäßig veröffentlicht.
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Thorsten Wilhelm
Vielen Dank … bei diesem Test stellst sich für mich auch die Frage: Was genau hat man denn unter unglaubwürdige Berichte von erfunden Gästen zu verstehen? Wie ist der Stern da genau vorgegangen und wie kann der Stern sicherstellen, dass bei einer sehr intensiven Prüfung dann auch wirklich erkannt wird, dass der Bericht “unglaubwürdig” ist? Das ist ja nicht objektiv operationalisierbar und somit auch vom Prüfer nicht ohne weiteres erkennbar, selbst wenn er intensiv prüft.
Vielleicht kannst Du noch kurz darstellen, wie die das gemacht haben?